Der vom Bureau of International Recycling ins Leben gerufene Global Recycling Day findet jährlich am 18. März statt und macht weltweit auf die Bedeutung von Recycling für den Schutz natürlicher Ressourcen und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft aufmerksam. Gerade in Europa ist Recycling längst mehr als ein Instrument der Abfallwirtschaft. Es gewinnt zunehmend an Bedeutung für Rohstoffsicherheit, industrielle Nachhaltigkeit und Klimaschutz – und trägt damit gleichzeitig zu mehreren strategischen Zielen Europas bei.
Von der Entwicklung fortschrittlicher Materialien über das Recycling von Batterien und Anwendungen in der Schwerindustrie bis hin zu elektronischen Geräten: Die europäische Forschung untersucht, wie sich Kreislaufwirtschaft entlang gesamter Wertschöpfungsketten verankern lässt – vom Produktdesign bis zur Rückgewinnung wertvoller Materialien am Ende des Lebenszyklus. In diesem dynamischen Umfeld versteht sich EURICE als treibende Kraft zukunftsorientierter europäischer Forschungs- und Innovationsinitiativen. Wir gestalten und entwickeln Projekte, die diese Herausforderungen über unterschiedliche Forschungsfelder und Branchen hinweg adressieren.
Recycling für Rohstoffsicherheit und strategische Autonomie
Ein wesentlicher Grund für die wachsende Bedeutung von Recycling in der europäischen Politik ist der steigende Bedarf an kritischen Rohstoffen. Moderne Technologien – von Elektrofahrzeugen und erneuerbaren Energiesystemen bis hin zu digitalen Geräten – sind auf Materialien wie Lithium, Kobalt und Seltene Erden angewiesen. Viele dieser Rohstoffe werden jedoch aus einer begrenzten Zahl von Ländern außerhalb der EU importiert. Europa will deshalb seine Fähigkeit stärken, die Versorgung mit strategisch wichtigen Rohstoffen durch Gewinnung, Verarbeitung und Recycling langfristig zu sichern. Recycling ermöglicht es, wertvolle Materialien zurückzugewinnen und erneut zu nutzen. Dadurch können Abhängigkeiten von externen Lieferanten verringert und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit der europäischen Industrie gestärkt werden. Europäische Forschungsprojekte leisten hierzu einen wichtigen Beitrag, indem sie innovative Lösungen für die Rückgewinnung und Wiederverwendung von Materialien entwickeln. Das Projekt INERRANT beispielsweise erforscht innovative und umweltfreundliche Verfahren für das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien. Ziel ist es, kritische Materialien aus Altbatterien zurückzugewinnen und wieder in den Produktionskreislauf einzubringen. Das verbessert nicht nur die Ressourceneffizienz, sondern bietet auch ökologische Vorteile: Der Einsatz umweltfreundlicher Lösungsmittel kann die Umweltbelastung des Recyclingprozesses selbst reduzieren und zugleich den Bedarf an neu gewonnenen Rohstoffen senken.
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Industrieemissionen durch Recycling reduzieren
Recycling kann auch einen direkten Beitrag zu den Klimazielen der EU leisten. In bestimmten Industriezweigen benötigt die Verarbeitung recycelter Materialien deutlich weniger Energie als die Herstellung aus Primärrohstoffen – und kann damit die Treibhausgasemissionen erheblich reduzieren. Das Projekt MOWSES zeigt dieses Potenzial am Beispiel der Stahlindustrie. Die Stahlproduktion verursacht einen erheblichen Anteil der weltweiten Industrieemissionen. Gleichzeitig gehört Stahl zu den am besten recycelbaren Materialien überhaupt. Durch einen höheren Anteil an Stahlschrott bei der Herstellung von Stählen für Infrastruktur-Anwendungen will das Projekt den mit der Stahlproduktion verbundenen CO₂-Fußabdruck reduzieren. Der Ansatz verdeutlicht, wie Recycling zu einer Strategie für die industrielle Dekarbonisierung werden kann. Durch den verstärkten Einsatz von recyceltem Stahl können insbesondere Bau- und Infrastrukturbranchen Emissionen reduzieren, natürliche Ressourcen schonen und gleichzeitig ihren Energiebedarf senken.
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Recycling bereits beim Produktdesign mitdenken
So wichtig die Weiterentwicklung von Recyclingtechnologien ist: Ob sich ein Produkt am Ende seines Lebenszyklus effizient wiederverwerten lässt, entscheidet sich häufig deutlich früher – bereits in der Design- und Entwicklungsphase. Die Auswahl von Materialien, die Integration einzelner Komponenten und die eingesetzten Herstellungsverfahren haben wesentlichen Einfluss darauf, wie gut sich Produkte später reparieren, wiederverwenden oder recyceln lassen. Lebenszyklusanalysen und Recyclingkonzepte werden deshalb zunehmend bereits bei der Entwicklung neuer Technologien in europäischen Forschungsprojekten berücksichtigt.
Das Projekt SUPERLASER verfolgt diesen Ansatz im Bereich der modernen Photonik. Ziel ist die Entwicklung einer neuen Generation von Lasern auf Basis von Halogenid-Perowskit-Materialien, deren Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg möglichst gering gehalten werden sollen. Dazu gehören die Bewertung des Energie- und Materialverbrauchs, die Entwicklung geeigneter Recyclingverfahren sowie die Untersuchung von Möglichkeiten zur Wiederverwendung von Materialien wie dem in Perowskiten enthaltenen Blei. Langfristiges Ziel sind vollständig recycelbare Laser mit möglichst wenig Elektronikabfall. SUPERLASER zeigt damit, wie Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit bereits bei der Entwicklung neuer Technologien konsequent mitgedacht werden können.
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Recycling als Priorität europäischer Politik
Die Beispiele aus den Bereichen Batterien, Stahl und moderne Elektronik machen deutlich: Recycling ist heute weit mehr als eine nachgelagerte Aufgabe der Abfallwirtschaft. Kreislaufwirtschaft wird zunehmend über den gesamten Lebenszyklus von Produkten und neuen Technologien hinweg gedacht – von der Entwicklung neuer Materialien über Produktdesign und Herstellung bis hin zur Wiederverwertung am Ende der Nutzungsphase.
Dieser systemische Ansatz spiegelt sich auch in der jüngeren EU-Gesetzgebung wider. Regelwerke wie der Critical Raw Materials Act und die EU-Batterieverordnung, eingebettet in den umfassenderen Circular Economy Action Plan, legen einen starken Fokus auf Kreislauffähigkeit, Recycling und die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe.